Kapitel 2: Der Kühlschrank hat ein Geheimnis

Herr Müller stellte den Umschlag neben die Butter. Das Datum 1873 war ihm unangenehm, weil er selbst erst vor 48 Jahren geboren worden war und sich gewöhnlich nicht einmal an die Einkaufsliste vom Donnerstag erinnerte. „Vielleicht ein Werbebrief“, sagte er. „Werbung für die Vergangenheit?“, fragte Ferdinand. „Das würde zu unserer Abteilung passen.“ Müller öffnete den Umschlag. Darin lag nur ein Zettel: Unterste Schublade nicht öffnen. Besonders nicht vor dem Frühstück.
„Wer hat das geschrieben?“ „Du“, sagte Ferdinand. „Wobei du damals eine bessere Handschrift hattest.“ Herr Müller wollte eine Erklärung verlangen, aber der Kühlschrank piepte zweimal. Auf seinem Display erschien: NÄCHTLICHER KÄSEVERBRAUCH: VIER SCHEIBEN, OHNE BROT. „Das geht dich nichts an“, sagte Müller. „Ich führe nur Buch“, antwortete eine tiefe Stimme aus dem Gerät. Müller hielt sich am Türgriff fest. „Du sprichst ebenfalls?“ „Natürlich. Im Gegensatz zum Toaster kann ich mich beherrschen.“ Aus der Ecke kam ein beleidigtes Klicken.
Der Kühlschrank führte eine lange Liste weiterer Beobachtungen auf: heimliche Schokoladenstücke, ein um Mitternacht geöffnetes Gurkenglas und eine Banane, die Müller am Samstag als Gemüse bezeichnet hatte. „Botanisch ist die Banane eine Beere“, bemerkte Ferdinand. „Ich möchte nicht über Obst diskutieren, während meine Küchengeräte mich überwachen!“ „Es geht nicht um das Obst“, sagte der Kühlschrank. „Es geht um die unterste Schublade.“ Die Anzeige wechselte auf: ZUGRIFF NUR FÜR MITARBEITER 7.
Herr Müller war nie besonders gut darin gewesen, Verbotsschilder zu ignorieren. Aber ein Verbot in seiner eigenen Küche empfand er als persönliche Herausforderung. Er zog die Schublade auf. Zwischen einer Packung Erbsen und einer sehr alten Zitronenhälfte lag ein kleiner brauner Würfel. „Schokolade“, sagte Müller erleichtert. „Nicht essen!“, rief Ferdinand so laut, dass die Kaffeemaschine erschrocken tropfte. „Was ist es denn?“ Der Koffer rollte zur Tür. „Bevor ich antworte, eine Frage: Hast du schon einmal von Wombats gehört?“ Herr Müller nahm sich vor, künftig nur noch Lebensmittel zu kaufen, die keine überraschenden botanischen Familienverhältnisse besaßen.
Nächstes Mal: Ein kleines braunes Geheimnis führt zu einer überraschenden zoologischen Entdeckung.