Kapitel 14: Ein Mittwoch mit Folgen

Frau Schnabel führte Herrn Müller in einen Raum, in dem immer Mittwoch war. An der Tür stand MITTWOCHSRAUM – BITTE VORHER SCHUHE ABTRETEN. „Wozu braucht man einen solchen Raum?“, fragte Müller. „Für Ereignisse, die dienstags nicht stattfinden dürfen“, antwortete sie. „Das ist keine Antwort.“ „Doch“, sagte Ferdinand. „Nur keine gute.“ In der Mitte des Raums schwebte ein Bild aus dem Jahr 1873, so lebendig, dass Müller beinahe den Geruch von Maschinenöl wahrnahm.
Professor Koffer stand vor dem Wahrscheinlichkeitskorrektor. Seine jüngere Version wirkte selbstbewusst und hatte einen bemerkenswert buschigen Schnurrbart. „Herbert, wenn wir das Experiment starten, brauchen wir eine Sicherheitsregel“, sagte er. Der frühere Müller antwortete: „Keine Korrektur ohne vollständige Folgenprüfung.“ Günther stand daneben. „Und keine Beleidigungen von Pinguinen“, fügte er hinzu. Professor Koffer lachte. „Du bist doch nur eine schlecht gekleidete Ente.“ Im heutigen Raum schloss Ferdinand beschämt den Deckel. „Es war ein Scherz“, murmelte er.
Günther stieß empört gegen den Versuchsaufbau. Ein Kabel löste sich, sieben Ringe begannen zu rotieren, und der Korrektor erzeugte ein blendendes Licht. Professor Koffer wurde von einer Welle erfasst. Als das Licht erlosch, stand an seiner Stelle ein brauner Reisekoffer. Frau Schnabel schrie auf. Der frühere Müller griff nach dem Hebel für eine Notkorrektur. „Nein!“, rief Professor Koffer aus dem Kofferinneren. „Nicht einfach rückgängig machen! Wir kennen die Folgen nicht!“ Doch Herbert zog bereits am Hebel.
Die Erinnerung fror ein. Herr Müller stand still. „Ich wollte ihn retten“, sagte er. „Und damit begann alles“, antwortete Frau Schnabel. „Die Maschine erschuf eine zweite Möglichkeit, in der Ferdinand nicht verwandelt worden war. Dann eine dritte, in der Günther nicht beleidigt wurde. Bald gab es mehr Versionen, als wir trennen konnten.“ Günther senkte den Kopf. „Es war meine Schuld“, sagte er. Ferdinand öffnete vorsichtig den Deckel. „Nein, Günther. Meine Beleidigung war dumm. Aber die Zeitlinien haben wir Erwachsenen kaputtgemacht.“ Herr Müller sah die eingefrorene Szene an. Hinter seinem früheren Ich erschien eine zweite, dunklere Gestalt. Sie trug ebenfalls sein Gesicht.
Nächstes Mal: Ferdinand erzählt, was aus der Freundschaft wurde, nachdem die Zeit auseinanderbrach.
Die nächste Folge erscheint morgen, 6 Uhr.