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Herr Müller und die Sache mit dem Koffer

Kapitel 13: Das streng geheime Marmeladenglas

Auf Herrn Müllers ehemaligem Schreibtisch stand ein Glas Erdbeermarmelade. Ein roter Aufkleber warnte: NICHT ÖFFNEN. NICHT SCHÜTTELN. NICHT AUF BROT STREICHEN. „Warum benutzt eine Behörde Marmelade als Archiv?“, fragte Müller. „Weil Erdbeeren botanisch keine echten Beeren sind“, sagte Frau Schnabel. „Ein hübscher Widerspruch, und Widersprüche speichern sich bei uns besonders gut.“ „Ich hoffe, die Steuerunterlagen liegen nicht in einem Käsebrot.“ Ferdinand klapperte. „Nur die älteren.“

Müller drehte den Deckel auf. Ein Schimmer stieg auf, und plötzlich stand ein kleines Bild über dem Schreibtisch. Darin sah man ein Labor im Jahr 1873. Professor Koffer trug einen weißen Kittel, Frau Schnabel schrieb Zahlen auf und ein jüngerer Herr Müller zeichnete sieben Kreise an eine Tafel. „Wenn wir Unwahrscheinlichkeiten auffangen“, sagte der Mann im Bild, „können wir Fehler korrigieren, bevor sie Schaden anrichten.“ Professor Koffer sah skeptisch aus. „Aber wer entscheidet, was ein Fehler ist?“

Die Szene wechselte. Nun stand Günther der Pinguin auf einem Stuhl und beobachtete die Maschine. Professor Koffer sagte etwas, das man nicht verstehen konnte. Günther wirkte beleidigt. Müller im Bild griff nach einem roten Hebel. Dann stoppte die Erinnerung. „Das war alles?“ fragte der heutige Müller. „Nur der erste Teil“, erklärte Frau Schnabel. „Sie haben Ihre Erinnerungen in mehrere Behälter aufgeteilt, damit niemand sie auf einmal stehlen konnte.“ „Wer sollte sie stehlen?“ Frau Schnabel blickte zur Tür. „Vielleicht Sie selbst. Vielleicht jemand, der Ihre Erfindung benutzen wollte.“

Herr Müller betrachtete das Glas. „Weshalb steht darauf, dass ich es nicht öffnen darf?“ „Das haben Sie angeordnet“, sagte Ferdinand. „Du warst früher ausgesprochen gründlich, besonders wenn es darum ging, dir selbst Schwierigkeiten zu machen.“ Müller nahm den Deckel und schraubte ihn wieder fest. Im Glas erschien plötzlich ein letzter Satz, als hätte jemand mit dem Finger in die Marmelade geschrieben: TRAUE NICHT JEDER VERSION VON MIR. Herr Müller las ihn laut vor. „Das ist ein wirklich unangenehmer Ratschlag“, sagte er. „Vor allem, wenn man nicht weiß, wie viele Versionen es gibt.“

Nächstes Mal: Ein Blick in den alten Mittwoch erklärt, wie Ferdinand zu einem Koffer wurde.

Die nächste Folge erscheint morgen, 6 Uhr.

Passend dazu: Wissen, das keiner braucht