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Herr Müller und die Sache mit dem Koffer

Kapitel 10: Ein Wombat kommt selten allein

Herbert der Wombat kaut Salat vor dem offenen Kühlschrank und hat die Küchenfliesen aufgegraben, während Herr Müller im Hausschuh entsetzt zusieht und Frau Schnabel, Günther und Ferdinand staunen.

Herbert der Wombat saß im Kühlschrank und kaute Salat. Herr Müller hatte ihn nach sich selbst benannt, weil er hoffte, damit die Kontrolle über wenigstens einen Teil des Geschehens zurückzugewinnen. „Er kann da nicht bleiben“, sagte Müller. „Er ist ein Wombat, kein Joghurt.“ Frau Schnabel betrachtete das Tier. „Wombats besitzen einen nach hinten geöffneten Beutel. Das ist beim Graben praktisch, weil nicht so leicht Erde hineingerät.“ „Und warum erzählen Sie mir das?“ „Weil Herbert gleich graben wird.“ Der Wombat sprang aus dem Gemüsefach und setzte sich auf Müllers linken Hausschuh.

„Nein“, sagte Müller. Herbert grub. Binnen Sekunden verschwand der Hausschuh unter den Küchenfliesen. Müller starrte auf das Loch. „Ich habe erst letztes Jahr renoviert.“ „Das Archiv arbeitet nicht nach Renovierungsplänen“, bemerkte Ferdinand. Tief unter dem Boden ging ein Licht an. Eine Stimme fragte: „Spezialabteilung für Unwahrscheinlichkeiten, Empfang. Haben Sie einen Termin?“ Müller kniete sich hin. „Ich wohne hier!“ „Das ist keine Terminbestätigung“, antwortete die Stimme.

Dr. Achtarm hob den braunen Würfel vom Unterteller. Unter einer Lampe zeigte er sieben winzige Markierungen. „Kein gewöhnlicher Wombat-Kot“, sagte er. „Eine Nachricht, die als Datenträger getarnt wurde.“ Herr Müller schloss die Augen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Satz höre, in dem Kot und Datenträger vorkommen.“ Günther legte seine drei Kieselsteine daneben. Die Markierungen auf dem Würfel begannen zu leuchten. Eine kleine Karte entstand: ein Flur, eine Tür mit der Sieben und eine Treppe.

„Das ist unser Zugang“, sagte Frau Schnabel. „Er war immer hier?“ Müller zeigte auf den Küchenboden. „Seit dem Bau Ihrer Wohnung“, antwortete sie. „Das Haus ist doch erst von 1986!“ „Der Zugang wurde 1873 angelegt. Das Gebäude kam später dazu.“ Ferdinand klapperte vergnügt. „Du wirst dich an unsere Bauabteilung gewöhnen.“ Aus dem Loch stieg ein Messingschild empor: FAHRSTUHL – BITTE NICHT AUF DONNERSTAG DRÜCKEN. Herr Müller sah die anderen an. „Ich möchte eigentlich nur meinen Hausschuh zurück.“ Die Stimme von unten erwiderte: „Fundsachen, zweiter Stock. Gestern.“

Nächstes Mal: Unter der Küche wartet ein Fahrstuhl mit einer sehr eigenwilligen Etagenwahl.

Die nächste Folge erscheint morgen, 6 Uhr.

Passend dazu: Wissen, das keiner braucht